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Landtechnik auf der agra 2026: Treffpunkt für Entscheider und Innovationen

Autor: Jörg Möbius, Berlin

Die agra Landwirtschaftsausstellung gehört heute zu den bedeutendsten Agrarmessen Deutschlands. Alle zwei Jahre zieht sie über 50.000 Besucher nach Leipzig und hat sich insbesondere im Bereich der Landtechnik als zentrale Plattform in Ost- und Mitteldeutschland etabliert. Für viele Betriebe ist sie weit mehr als eine Ausstellung – sie ist ein Ort der Orientierung, des Austauschs und der Investitionsvorbereitung.

Von Markkleeberg zur modernen Technikplattform

Gegründet wurde die agra 1952 als zentrale Gartenbau- und Landwirtschaftsausstellung der DDR auf dem Gelände in Markkleeberg. Technik war damals Mangelware, Auswahl kaum vorhanden. Landwirtschaftliche Betriebe waren oft froh, überhaupt Maschinen zugeteilt zu bekommen. Wer nicht Teil der Genossenschaften war, musste improvisieren – es entstanden teils abenteuerliche Eigenkonstruktionen, die heutigen technischen Standards kaum standhalten würden.

Mit der Wende änderte sich das Bild grundlegend. Nach der Auflösung des Landmaschinenkombinats Fortschritt im Jahr 1990 entstand eine Vielzahl neuer Unternehmen, und die Technik wurde vielfältiger, internationaler und leistungsfähiger. Die Ausstellungsflächen wurden bunter – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Neben den bekannten Fortschritt-Farben präsentierten sich zunehmend westliche Hersteller mit einer breiten Palette an Maschinen und Technologien. Mit dem Umzug auf das Gelände der Neuen Messe Leipzig im Jahr 2005 wurde dieser Entwicklung Rechnung getragen. Die agra war ihrem ursprünglichen Standort entwachsen – insbesondere die Landtechnik benötigte mehr Raum.

Strukturen bestimmen die Technik

Die besonderen Strukturen der ostdeutschen Landwirtschaft prägen bis heute die Anforderungen an die Technik. Mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 226 Hektar im Osten gegenüber 48 Hektar im Westen zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Gleichzeitig reicht die Spannbreite von sehr großen Betrieben mit mehreren tausend Hektar bis hin zu kleinen, oft im Nebenerwerb geführten Höfen.

Großbetriebe setzen verstärkt auf Effizienz, Präzision und Automatisierung. Lenkautomatik gehört inzwischen zum Standard, teilflächenspezifische Bewirtschaftung wird weiter ausgebaut und Agrarmanagementsysteme helfen dabei, die stetig wachsenden Datenmengen sinnvoll zu nutzen. Maschinen werden häufig nach drei bis fünf Jahren ausgetauscht, zunehmend spielen Miet- und Leasingmodelle eine Rolle. Gleichzeitig gewinnen mechanische Verfahren im Pflanzenschutz an Bedeutung, während chemische Anwendungen gezielter eingesetzt werden.

Auf der anderen Seite stehen kleinere Betriebe, deren Technik oft über viele Jahre im Einsatz bleibt – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus persönlicher Verbundenheit. Für größere Arbeiten greifen sie häufig auf Lohnunternehmen zurück.

Techniktrends zwischen Effizienz und Bodenschutz

Ein Beispiel für den durchdachten Einsatz moderner Technik zeigt sich in der Praxis: Große Traktoren wie der Claas Axion 900 oder der Case Quadtrac – diese sind auch auf der diesjährigen Messe zu sehen – werden mit vergleichsweise kleinen Düngerstreuern eingesetzt. Dabei geht es nicht um Überdimensionierung, sondern um Bodenschonung. Dank großer Aufstandsflächen kann auch auf feuchteren Böden gearbeitet werden, ohne die Struktur zu schädigen – ein entscheidender Vorteil im Frühjahr.

Veränderungen im Landmaschinenhandel

Parallel dazu befindet sich auch der Landmaschinenhandel im Wandel. Die Betriebe verfügen aufgrund der großen Flächenstrukturen über entsprechend große Einzugsgebiete, gleichzeitig sinkt die Anzahl der Händler. Zusammenschlüsse zu größeren Einheiten sind ein klar erkennbarer Trend. Herstellerstrategien wie die Multibrand-Ausrichtung von CNH mit den Marken Case, New Holland und Steyr zeigen, wie sich der Markt neu sortiert.

Stimmen aus der Praxis

Die Bandbreite des Ausstellungsangebots in der Landtechnik unterstreicht die besondere Stellung der agra als zentraler Treffpunkt der Entscheider in Ost- und Mitteldeutschland. Auf insgesamt rund 80.000 Quadratmetern präsentieren nahezu alle marktführenden Unternehmen ihre aktuellen Maschinenprogramme und Innovationen. Das Spektrum reicht von immer autonomeren Traktoren und semi-autonomen Erntemaschinen über KI-basierte Vernetzungssysteme zur Effizienzsteigerung und vorausschauenden Wartung bis hin zu Hybrid- und batterieelektrischen Antrieben, modularen Planter-Systemen, intelligenten Anhängern sowie Robotik- und Smart-Farming-Lösungen. Damit bietet die agra ein in der Region einzigartiges Gesamtbild der technischen Entwicklungen und dient zugleich als Plattform für Investitionsentscheidungen, fachlichen Austausch und die Bewertung aktueller Markttrends.

Auch die Annaburger Nutzfahrzeug GmbH blickt auf eine lange Messegeschichte auf der agra Landwirtschaftsausstellung zurück. Schon vor der Wende waren die Exponate aus Annaburg auf der agra vertreten. „Die Standgröße ist im Vergleich zu 2024 konstant und unterstreicht unsere stabile Marktposition“, so Geschäftsführer André Lüderitz. Gezeigt wird unter anderem der EcoTanker LS 38F.28 mit neuer Ausstattungsvariante und zahlreichen Detailverbesserungen. Highlight ist insbesondere der neue 6-Zoll-Übergabearm mit bis zu 6,40 m Reichweite und 285°-Schwenkbereich, der ein komfortables Entladen ohne Schlauchkuppeln ermöglicht. Des Weiteren wird die neue Ausstattungsvariante des SchubMax Plus TS 34G.17 gezeigt. Der robuste Tandem-Sattelauflieger bietet 9,2 m Laderaumlänge, 2,2 m Bordwandhöhe und ein Transportvolumen von bis zu 50 m³ bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 34 t. Dank zahlreicher Detailverbesserungen an Rahmen und Schubschild konnte das Einsatzgewicht auf 9.480 kg gesenkt und so die Zuladung maximiert werden. Als drittes Exponat wird das umfangreiche Facelift des 24-Tonnen Universalstreuers TeleLiner HTS 24D.07 ausgestellt. Das Fahrzeug vereint Universalstreuer und Häckseltransportwagen in einem und bietet ein Laderaumvolumen von 19 bis 32 m³ dank hydraulisch teleskopierbarer Bordwände. Ein werkzeugloser Schnellverschluss ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen Streu- und Häckselbetrieb. „Insgesamt blicken wir sehr positiv auf die Messe“, so André Lüderitz. „Die agra überzeugt durch ihre Fachbesucherqualität, Praxisnähe und die angenehme, persönliche Atmosphäre. Wir erwarten erneut eine starke Resonanz, innovative Impulse aus der Branche und viele konstruktive Gespräche. Deshalb begleitet die Geschäftsführung die Messe persönlich und legt großen Wert auf den direkten Austausch mit Kunden und Partnern. 

Auch für die Agrartechnik Vertrieb Sachsen GmbH ist die Messe ein zentraler Termin. „Die agra ist ein absolutes Highlight und wir sind mit unserer gesamten Verkaufsmannschaft vor Ort“, so Geschäftsführer Dr. Marcus Bertelsmeier. Das Unternehmen ist auf den Ständen von wichtigen Lieferanten vertreten. „Die Standfläche von Krone hat sich gegenüber 2024 etwas vergrößert, alle anderen Stände haben die gleiche Position und Größe wie bei der agra2024. Ein deutlicher Unterschied zu 2024 ist, dass sich unser Unternehmen an dem Case IH/Steyr-Gemeinschaftsstand neben Gruber Agrartechnik Engelsdorf und der HFT-Landtechnik Mühlhausen beteiligt, wir ab jetzt sozusagen als Multi-Brand-Händler auftreten und sichtbar sind.“ so Bertelsmeier. „Wir sind froh, dass wir in diesem Jahr wieder einen Gemeinschaftsstand New Holland mit allen beteiligten New Holland-Händlern auf die Beine stellen werden. Das zeigt Geschlossenheit und die Marke New Holland wird perfekt präsentiert.“ Neben dem neuen Schlepper T7.225 SWB von New Holland werden die neuen NextGen-Mähdrescher New Holland CR10 beziehungsweise Case AF9 gezeigt. Ergänzt wird das Angebot durch Technik von Horsch, JCB, Krone und Grimme. „Wichtig für uns ist der persönliche Austausch mit unseren Kunden, die vielen Fachgespräche, das Miteinander und das gemeinsame Finden von Lösungen. Mein Bruder Ralph,  ebenfalls Geschäftsführer, und ich sind selbstverständlich alle vier Tage vor Ort, da die agra für uns die wichtigste Messe ist.“

Kuhn Maschinen-Vertrieb ist seit 20 Jahren mit eigenem Stand auf der agra vertreten und wird 2026 die Standfläche vergrößern. „Mit dem größeren Stand können wir den Betrieben in der Region ein breites Programm an leistungsfähiger Technik präsentieren“, so Verkaufsleiter Marius Winter. Gezeigt werden Lösungen aus den Bereichen Bodenbearbeitung, Sätechnik, Pflanzenschutz, Futterernte und Fütterungstechnik. Besonderes Augenmerk liegt auf einem neuen Pflanzenschutzmodell, das erst kürzlich auf der Agritechnica vorgestellt wurde. „In Leipzig steht für uns die Nähe zum Kunden im Fokus. In familiärer Atmosphäre haben wir mehr Zeit für intensive Beratungsgespräche. Wir erwarten viele Besucher und wir freuen uns auf den Austausch – deshalb wird auch die Geschäftsführung vor Ort sein“

Die Sieversdorfer Landmaschinen GmbH ist seit 2013 auf der agra vertreten. Geschäftsführer Jan-Hendrik van der Mee sieht als Messehighlight den Ballentransportaufbau BTA-R auf einem restaurierten Wechselbrückenfahrgestell. „Im Vergleich zum BTA, den wir 2024 ausgestellt hatten, öffnet der BTA-R nach unten. Dadurch besteht keine Einschränkung beim Öffnen nach oben und der Aufbau bleibt im geöffneten Zustand rangierfähig.“ Ergänzt wird die Präsentation durch weitere Transportlösungen. „Ich werde alle vier Tage da sein und erwarte ein Abtasten der Stimmung in der Landwirtschaft.“

Auch der britische Hersteller Spread-a-Bale nutzt die agra als Plattform für den europäischen Markt. 2024 waren sie erstmalig auf dem Stand der Firma D. Böttger Agrartechnik und Service aus Oederan (Sachsen) als Mitaussteller vertreten. Mittlerweile agiert Böttger als ihr Vertriebspartner in Ostdeutschland. „Von Einzelmaschinen am Anfang sprechen wir nun über Aufträge, die einen Lkw füllen, das sind sechs bis acht Maschinen“, freut sich Vertriebsleiter Dietmar Pöhler. Beide Firmen werden 2026 wieder zusammen im Freigelände ausstellen. „Wir haben uns in den letzten Jahren weiterentwickelt und erhöhen die Anzahl der Wurfrichtungen und auch die Wurfweite“, so Pöhler. Mit dem neuen ST-Modell („Side Throw“) erweitert das Unternehmen seine Technik um seitliche Auswurfmöglichkeiten. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig funktionierende Vertriebsstrukturen sind: Nach dem Brexit wurde eine eigene EU-Tochter gegründet, um Lieferzeiten wieder zu verkürzen.

 

Ausgebuchte Flächen und wachsendes Angebot

Die Nachfrage bestätigt die Bedeutung der Messe. Das Freigelände ist vollständig ausgebucht. Auf rund 72.500 m² im Freigelände sowie rund 7.500 m² in Halle 2 präsentieren sich 2026 insgesamt 197 Landtechnik-Aussteller – mehr als bei der vorherigen Veranstaltung.
Dabei geht es auf der agra weniger um reine Besucherzahlen als um Qualität. Die Messe zieht gezielt Fachpublikum an – Betriebsleiter, Entscheider und Lohnunternehmer, die konkrete Investitionsentscheidungen vorbereiten. Wer große Flächen bewirtschaftet, benötigt Technik, die effizienter, präziser und wirtschaftlicher arbeitet. Genau dafür bietet die agra den passenden Rahmen.

Fazit: Mehr als Technik

Die agra 2026 zeigt, dass Landtechnik weit mehr ist als Maschine. Sie ist Ausdruck von Struktur, Strategie und Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft. Für Fachbesucher bietet die Messe die Möglichkeit, Entwicklungen einzuordnen, Lösungen zu vergleichen und konkrete Entscheidungen vorzubereiten – genau das macht ihren besonderen Wert aus.

Fotos

1. Die Freiflächen sind 2026 wieder ausgebucht. (Foto: agra)
2. Immer auf der agra dabei: DDR-Landtechnik, hier ZT 323 A. (Foto: agra)
3. Stets ein Hingucker: Historische Landtechnik (Foto: agra)
4. Wenig Bodendruck mit Raupenlaufwerk, Flächen können in feuchterem Zustand als mit Radtraktor befahren werden. (Foto: Jörg Möbius)
5. Annaburger TeleLiner HTS 24D.07 mit Häckselrueckwand im Einsatz. (Annaburger)
6. Annaburger-Geschäftsführer André Lüderitz (Foto: Annaburger)
7. Mähdrescher New Holland CR11 Stage V (Foto: New Holland)
8. Geschäftsführer Agrartechnik Vertrieb Sachsen: Dr. Marcus Bertelsmeier (Foto: Agrartechnik Vertrieb Sachsen)
9. Ein Kuhn Hightlight: die neue Feldspritze Karan. (Foto: Kuhn)
10. Kuhn-Verkaufsleiter Nord- und Ostdeutschland: Marius Winter Foto: Kuhn
11. Anhänger BTA-R (Ballentransportaufbau-Rohr) auf einem restaurierten Wechselbrückenfahrgestell. Besonderheit: der BTA-R öffnet nach unten. (Foto: Sieversdorfer Landmaschinen)
12. Jan-Hendrik van der Mee, Geschäftsführer Sieversdorfer Landmaschinen (Sieversdorfer Landmaschinen)
13. Ballenauflöser: Streuwerk mit Seiten-Auswurf, Highlight von Spread-a-bale auf der agra. (Foto: Spread-a-bale)
14. Dietmar Pöhler (Foto: Spread-a-bale)

 

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